Internet: Vorsicht vor „pflanzlichen“ Potenzmitteln

08. Juni 2015

Internet: Vorsicht vor "pflanzlichen" PotenzmittelnErektionsstörungen und Impotenz sind vor allem deshalb ein großes Problem, weil viele Männer zu stolz sind, es zuzugeben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Versandapotheken gerade im Bezug auf solche Lifestyle-Medikamente boomen.

Wenn man Arzneimittel über eine Versandapotheke bestellt, muss man mit seinen körperlichen Problemen nicht vor reale Menschen treten und wahrt somit seinen männlichen Stolz. Natürlich ist ein Arztbesuch in Wirklichkeit kein Problem, da Ärzte tagtäglich mit solchen und noch viel peinlicheren Krankheiten zu tun haben. Dennoch haben die meisten Männer beim Arztbesuch ein ungutes Gefühl und verzichten lieber, wenn es Alternativen gibt.

Wenn man Potenzmittel in lizenzierten Versandapotheken bestellt und dabei ein legitimes Rezept per Ferndiagnose ausgestellt bekommt, ist der Weg über das Internet natürlich kein Problem.

Problematisch hingegen wird es, wenn man im Internet vermeintlich „pflanzliche“ Potenzmittel bestellt. Dabei handelt es sich meist um pflanzliche Mischungen, die jedoch in Wirklichkeit Wirkstoffe von PDE-5-Hemmern enthalten. Die genaue Zusammensetzung wird dabei häufig nicht erwähnt. Hierbei handelt es sich um ein gefährliches Spiel mit dem Leben der Patienten.

Wie funktioniert der Verkauf von „pflanzlichen“ Potenzmitteln?

Die selbstgemachten Potenzmittel werden meist als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Nahrungsergänzungsmittel haben den Vorteil, dass sie nicht über eine Apotheke vertrieben werden müssen, da es sich nicht um Medikamente handelt. Auch klinische Studien und Tests sind nicht erforderlich, um Wirksamkeit und Nebenwirkungen festzustellen. Somit haben die Verkäufer freie Bahn und können ihr Produkt auf legalem Wege im Internet an den Mann bringen.

Nun ist es jedoch so, dass auf der Website der Produkte vor allem von pflanzlichen Inhaltsstoffen geschwärmt wird, obwohl auch „harte“ Wirkstoffe enthalten sind. Wenn die Hersteller halbwegs ehrlich sind, erwähnen sie Inhaltsstoffe wie Sildenafil (der Wirkstoff von Viagra) wenigstens am unteren Ende der Seite in einer kleinen Randnotiz. Es gibt jedoch auch Websites, auf denen der Wirkstoff komplett verschwiegen wird.

In Wirklichkeit ist es also so, dass man die pflanzlichen Inhaltsstoffe der Pillen komplett vergessen kann, da diese keine nennenswerte Wirkung auf die Erektionsfähigkeit haben. Die Pillen bewirken dennoch vermeintliche Wunder, da sie medizinische Wirkstoffe enthalten, deren Wirkung nicht angezweifelt werden kann.

Warum sind solche Pillen so gefährlich?

Selbstgemachte Potenzmittel sind vor allem deshalb so gefährlich, weil der Wirkstoff Sildenafil tödlich wirken kann, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Beispiele dafür sind verschiedene Herzkrankheiten, Probleme mit dem Blutdruck oder die gleichzeitige Einnahme von nitrithaltigen Medikamenten. Bei pharmazeutischen Potenzmitteln liegt nicht ohne Grund ein Beipackzettel bei, der erklärt, wann das Medikament eingenommen werden darf und wann nicht.

Des Weiteren variiert die Menge des Wirkstoffs im schlimmsten Fall von Pille zu Pille. Das ist nicht verwunderlich, da die vermeintlichen Nahrungsergänzungsmittel häufig in Kellern oder Hinterhöfen zusammengebraut werden, die mit den hygienischen Standards der Pharmaindustrie nicht mithalten können. Somit enthalten die Pillen ihre häufig nicht erwähnten Inhaltsstoffe allerhöchstens Pi mal Daumen.

Woran erkennt man selbstgemachte Potenzmittel?

Es gibt einige Faktoren, an denen man die gefährlichen Pillen erkennen kann. Zuallererst sollte man den jeweiligen Namen des Produkts googeln. Oft landet man direkt auf Websites von unabhängigen Apothekern, die zeigen, welche Inhaltsstoffe tatsächlich enthalten sind.

Des Weiteren sollte man immer dann hellhörig werden, wenn von pflanzlichen Potenzmitteln die Rede ist, die angeblich genauso wirkungsvoll wie Viagra und Co sind. Rein pflanzliche Substanzen können niemals so potent sein wie industriell gefertigte Wirkstoffe für professionell vertriebene Pharmaerzeugnisse.

Zuletzt sollte man einen Blick auf den Preis werfen. Wenn eine Pille mehr als fünf Euro kostet, dann kann man davon ausgehen, dass Wirkstoffe von PDE-5-Hemmern enthalten sind. Ansonsten kann der Preis für vermeintlich pflanzliche Zutaten nicht erklärt werden.