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Erektionsstörung? Schluss mit der Scham

Warum Reden hilft, wie du anfängst und was dir Sicherheit gibt

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Du liegst nachts wach und googelst, statt mit irgendwem darüber zu reden. Damit bist du in bester Gesellschaft. Kaum ein Thema ist Männern so unangenehm wie eine Erektion, die nicht mitspielt.

Scham ist ein mächtiges Gefühl. Sie sagt dir, dass mit dir etwas nicht stimmt und dass es besser keiner erfährt. Beides ist Quatsch, und das lässt sich belegen.

Zwei Männer reden offen auf einer Parkbank
Reden nimmt der Angst die Kraft, auch unter Freunden.

Warum Männer bei einer Erektionsstörung aus Scham schweigen

Eine weltweite Studie hat Männer zwischen 40 und 80 gefragt, warum sie mit Sexproblemen nicht zum Arzt gehen. Die Antworten zeigen, wie gut wir uns das Schweigen schönreden können.

Die häufigsten Gründe:

74 %hielten es für normal im Alter oder wollten nichts ändern
68 %fanden es nicht so schlimm oder wollten abwarten
53 %sahen darin kein medizinisches Problem
41 %fühlten sich unwohl, mit einem Arzt darüber zu reden

Ähnlich sieht es in Europa aus. In einer Umfrage der Europäischen Gesellschaft für Urologie von 2020 hatte gut jeder Vierte mit Erektionsproblemen im eigenen Leben mit niemandem darüber gesprochen. Die Deutschen nannten als Grund am häufigsten, dass ihnen das Thema unangenehm ist.

Hinter „ist doch normal“ und „wird schon wieder“ steckt oft dasselbe Gefühl. Man will das Thema einfach nicht anfassen. Dabei ist eine Erektion, die nicht mehr will, weder normal noch etwas, das man aussitzen muss.

Was Männer insgeheim befürchten:

Die Angst

Was im Kopf passiert

  • „Ich bin kein richtiger Mann mehr.“
  • „Meine Frau wird mich verlassen.“
  • „Der Arzt lacht mich aus.“
  • „Das bin nur ich, alle anderen können.“
Die Realität

Was wirklich stimmt

  • Eine Erektion sagt nichts über deinen Wert.
  • Deine Frau merkt es ohnehin und will meist reden.
  • Für Ärzte ist das Alltag.
  • Millionen Männer kennen das Problem.

So häufig sind Erektionsprobleme wirklich

Die bekannteste deutsche Zahl stammt aus der Kölner Männerstudie. Forscher haben dafür 8.000 Männer zwischen 30 und 80 angeschrieben und 4.489 Antworten ausgewertet.

Das Ergebnis:

19,2 %aller Männer hatten eine Erektionsstörung
2,3 %in der jüngsten Altersgruppe ab 30
53,4 %in der ältesten Gruppe bis 80

Fast jeder fünfte Mann ist also betroffen. Statistisch sitzt in jedem Fußballverein, in jeder Firma und an jedem Stammtisch einer, der dasselbe Problem hat. Er redet nur genauso wenig darüber wie du.

Auch junge Männer trifft es. Bei ihnen steckt oft der Kopf dahinter, also Stress, Druck oder Versagensangst. Gerade das lässt sich besonders gut behandeln.

Infografik: Häufigkeit von Erektionsstörungen in Deutschland
Fast jeder fünfte Mann kennt das Problem.

Warum Reden so viel hilft

Scham lebt vom Schweigen. Solange du es keinem sagst, wächst das Problem im Kopf zu einem Monster heran. Sobald es ausgesprochen ist, wird es wieder zu dem, was es ist, nämlich ein lösbares Problem.

Dazu kommt ein ganz praktischer Grund. Wer nicht redet, bekommt auch keine Hilfe. In der weltweiten Studie hatte nur knapp jeder fünfte Mann mit Sexproblemen ärztliche Hilfe gesucht.

Was sich durch Reden ändert:

1

Der Druck sinkt

Du musst nichts mehr verstecken. Allein das nimmt viel Anspannung aus dem Bett.

2

Missverständnisse enden

Keiner muss mehr rätseln, wer schuld ist. Ihr zieht wieder an einem Strang.

3

Lösungen werden möglich

Erst wenn ein Arzt Bescheid weiß, kann er Ursachen finden und behandeln.

Dass Reden wirkt, zeigen auch Studien. In Gruppentherapien, in denen Männer offen über ihre Probleme sprachen, besserten sich die Erektionsprobleme messbar.

Eine Studie mit Paaren hat gezeigt, dass beide im Paar die Erektionsprobleme sehr ähnlich wahrnehmen. Dein Partner merkt es also sowieso. Wo Paare das Problem unterschiedlich sehen, kann das laut den Forschern zu Streit führen oder dazu, dass keiner etwas unternimmt.

So sprichst du es bei deinem Partner an

Der richtige Moment ist nicht im Bett und nicht direkt nach einem missglückten Abend. Besser ist ein ruhiger Moment ohne Zeitdruck, etwa bei einem Spaziergang. Nebeneinander redet es sich oft leichter als gegenüber.

Du brauchst keine perfekte Rede. Ein ehrlicher Satz reicht, der Rest ergibt sich meistens von selbst.

Sätze für den Anfang:

Der Einstieg

Das Thema öffnen

„Ich muss dir was sagen, das mir nicht leichtfällt. Im Bett läuft es gerade nicht so, wie ich will.“

Die Entlastung

Die Sorge nehmen

„Das hat nichts mit dir zu tun. Du machst mich genauso an wie am ersten Tag.“

Das Gefühl

Ehrlich sein

„Ich setze mich selbst unter Druck, und dann klappt es erst recht nicht.“

Der Plan

Gemeinsam weitergehen

„Ich kümmere mich drum. Bis das wieder rundläuft, lassen wir uns im Bett einfach mehr Zeit.“

!

Schreib dir die Sätze vorher auf, wenn es dir hilft. Manche Männer schicken auch eine Nachricht vorweg und reden dann persönlich weiter.

Wie ihr als Paar damit umgeht, liest du unter Partnerschaft.

So sagst du es deinem Arzt

Viele Männer warten darauf, dass der Arzt von sich aus fragt. Das passiert aber selten. In der weltweiten Studie waren in drei Jahren nur 9 Prozent der Männer von einem Arzt nach Sexproblemen gefragt worden.

Für Hausärzte und Urologen gehören Erektionsprobleme zum Alltag. Es gibt außerdem einen guten Grund, den Termin nicht aufzuschieben. Die Gefäße im Penis sind enger als am Herzen, deshalb können Erektionsprobleme ein frühes Warnzeichen für Herzkrankheiten sein.

So kannst du anfangen:

  • „Ich habe seit einiger Zeit Probleme mit der Erektion.“
  • „Es geht um etwas Intimes, das mir unangenehm ist.“
  • „Ich würde gern auch Herz und Hormone checken lassen.“

Fällt dir das Sprechen schwer, nimm einen Zettel mit und gib ihn einfach über den Tisch. Was beim Arzttermin passiert, steht unter Ärztliche Hilfe.

Mit einem Freund darüber reden

Unter Männern wird über Sex viel geprahlt und wenig geredet. Wer den ersten Schritt macht, erlebt oft eine Überraschung. Nicht selten kommt als Antwort ein „Kenn ich“.

Such dir jemanden aus, dem du auch sonst vertraust. Ein Bier zu zweit ist ein besserer Rahmen als die Runde am Stammtisch.

Ein lockerer Einstieg:

  • „Darf ich dich mal was Persönliches fragen?“
  • „Hattest du schon mal Phasen, in denen es im Bett nicht lief?“
  • „Ich hab da gerade ein Thema, über das ich mit keinem rede.“

Kein Freund in Sicht? Auch Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen hören zu. Adressen findest du unter Hilfe finden.

Wenn Reden noch nicht geht, gibt dir eine Tablette Sicherheit

Manchmal ist die Hürde einfach noch zu hoch. Dann packst du das Problem von der anderen Seite an, nämlich bei der Sorge, dass es wieder nicht klappt.

Potenzmittel wie Sildenafil oder Tadalafil wirken auch, wenn der Kopf hinter den Problemen steckt. Die Erektion kommt schon bei leichterer Berührung und wird härter. Damit ist die größte Sorge vom Tisch. Dadurch fällt vieles andere leichter, auch das Reden.

Eine Auswertung zweier Studien mit 553 Männern hat genau das gemessen. Mit Sildenafil verbesserten sich Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und die Zufriedenheit in der Beziehung deutlich stärker als mit einem Scheinmedikament.

Was eine Tablette leisten kann:

Ohne

Angst vor dem nächsten Mal

  • Vor dem Sex rattert das Kopfkino.
  • Du beobachtest dich selbst.
  • Du gehst Nähe lieber aus dem Weg.
Mit

Sicherheit im Rücken

  • Du weißt, dass es klappt.
  • Du bist mit dem Kopf bei deiner Frau statt bei deiner Erektion.
  • Erfolge geben dir Selbstvertrauen zurück.

Diskret und legal per Online-Sprechstunde

Potenzmittel sind verschreibungspflichtig, und das bleibt auch so. Du musst dafür aber nicht unbedingt in eine Praxis. Seit 2018 erlaubt die ärztliche Berufsordnung auch eine Behandlung aus der Ferne, wenn sie im Einzelfall ärztlich vertretbar ist.

Bei einer zugelassenen Online-Sprechstunde füllst du einen medizinischen Fragebogen aus. Ein Arzt prüft ihn und stellt bei Eignung ein Rezept aus. Das Medikament kommt dann aus einer Apotheke.

Finger weg von dubiosen Shops. Angebliche Natur-Potenzmittel enthalten oft heimlich Sildenafil oder Tadalafil, ohne dass es draufsteht. Wer Nitrate gegen Herzschmerzen nimmt, riskiert damit einen lebensbedrohlichen Blutdruckabfall.

Hast du Herzprobleme, muss vor jeder Potenzmittel-Einnahme ein Arzt draufschauen.

Die Tablette ist kein Ersatz für das Gespräch, aber oft der Türöffner dafür. Leitlinien empfehlen ohnehin, Tablette und Gespräche zu kombinieren. Wie das geht, steht unter Sexualtherapie.

Dein Stufenplan aus der Scham

Niemand muss von heute auf morgen alles erzählen. Fang mit dem kleinsten Schritt an, der sich gerade machbar anfühlt. Jeder Schritt macht den nächsten leichter.

Von leicht bis mutig:

  • Stufe 1Mach anonym unseren Selbsttest. Danach weißt du besser, wo du stehst.
  • Stufe 2Schreib auf, seit wann es so ist und was du befürchtest. Aufgeschrieben wirkt vieles kleiner.
  • Stufe 3Hol dir ärztlichen Rat, in der Praxis oder diskret per Online-Sprechstunde.
  • Stufe 4Sprich mit deinem Partner, mit einem der Sätze von oben.
  • Stufe 5Erzähl es einem guten Freund. Spätestens jetzt merkst du, dass die Scham ihre Macht verloren hat.

Mythen, die dich schweigen lassen

Ein paar Glaubenssätze halten Männer besonders lange vom Reden ab. Zeit, sie einmal zu prüfen.

Die Klassiker im Faktencheck:

Ein echter Mann kann immer.

Keiner kann immer. Müdigkeit, Stress und Alkohol bremsen bei jedem Mann mal die Erektion.

Wenn ich es nicht anspreche, merkt sie nichts.

Sie merkt es fast immer. Ohne Erklärung sucht sie den Fehler womöglich bei sich selbst.

Das geht von allein wieder weg.

Manchmal ja. Oft setzt sich die Angst aber fest und macht es mit jedem Mal schlimmer.

Potenzmittel nimmt nur, wer kaputt ist.

Sie helfen auch bei Kopfsachen. Die Erektion kommt schneller und wird härter, und das nimmt die Angst. Das ist kein Versagen, sondern eine anerkannte Behandlung.

Häufige Fragen zu Scham und Erektionsproblemen

Wie häufig sind Erektionsstörungen?

Sehr häufig. In der Kölner Männerstudie hatte fast jeder fünfte Mann zwischen 30 und 80 eine Erektionsstörung. Bei den Jüngsten waren es gut 2 Prozent, bei den Ältesten über die Hälfte.

Warum schämen sich Männer für Erektionsprobleme?

Viele verbinden die Erektion mit ihrer Männlichkeit und ihrem Selbstwert. Dazu kommt die Angst, den Partner zu enttäuschen. Deshalb schweigen viele und suchen keine Hilfe.

Wie spreche ich Erektionsprobleme bei meiner Frau an?

Wähl einen ruhigen Moment außerhalb des Schlafzimmers. Sag ehrlich, was los ist, und mach klar, dass es nichts mit ihr zu tun hat. Ein Satz wie „Ich kümmere mich drum, bis dahin lassen wir uns mehr Zeit“ zeigt, dass du die Sache im Griff hast.

Wie sage ich dem Arzt, dass ich Erektionsprobleme habe?

Ein einfacher Satz reicht, etwa „Ich habe seit einiger Zeit Probleme mit der Erektion.“ Für Hausärzte und Urologen ist das Alltag. Wenn Reden schwerfällt, gib ihm einen Zettel.

Zu welchem Arzt gehe ich bei Erektionsproblemen?

Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt oder der Urologe. Beide können Herz, Gefäße und Hormone checken. Alternativ gibt es legale Online-Sprechstunden.

Helfen Potenzmittel auch bei psychisch bedingten Erektionsproblemen?

Ja, Sildenafil und Tadalafil wirken auch, wenn der Kopf dahintersteckt. Die Erektion kommt schon bei leichterer Berührung und wird härter. Das nimmt die Angst vor dem Versagen und durchbricht so den Teufelskreis. Sie sind verschreibungspflichtig und nichts für Männer, die Nitrate nehmen.

Kann ich Potenzmittel online und diskret bekommen?

Ja, über eine zugelassene Online-Sprechstunde. Ein Arzt prüft deinen medizinischen Fragebogen und stellt bei Eignung ein Rezept aus. Finger weg von Shops, die Potenzmittel ohne Rezept verkaufen.

Merkt mein Partner, wenn ich Erektionsprobleme habe?

In aller Regel ja. Studien zeigen, dass Paare die Probleme sehr ähnlich wahrnehmen. Ohne Erklärung sucht dein Partner den Grund womöglich bei sich, deshalb hilft ein offenes Gespräch euch beiden.

Das nimmst du mit

Scham ist verständlich, aber sie hilft dir nicht weiter. Fast jeder fünfte Mann kennt das Problem, und für fast jede Ursache gibt es eine Lösung. Steh auf, steh zu deinem Problem und steh auch im Bett wieder richtig.

Die wichtigsten Punkte:

  • Erektionsprobleme sind häufig, Schweigen macht sie größer.
  • Ein ruhiger Moment und ein ehrlicher Satz reichen für den Anfang.
  • Dein Arzt fragt selten von sich aus, also sprich es selbst an.
  • Potenzmittel können die Angst nehmen und das Reden leichter machen.
  • Rezept gibt es in der Praxis oder legal per Online-Sprechstunde.

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Quellen
  • Braun M et al. Epidemiology of erectile dysfunction: results of the „Cologne Male Survey“. Int J Impot Res 2000
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Moreira ED et al. Help-seeking behaviour for sexual problems: the Global Study of Sexual Attitudes and Behaviors. Int J Clin Pract 2005
    doi.org
  • European survey shows low awareness of erectile dysfunction (EAU-Umfrage 2020)
    news-medical.net
  • Fisher WA et al. Erectile dysfunction (ED) is a shared sexual concern of couples I: couple conceptions of ED. J Sex Med 2009
    doi.org
  • Althof SE et al. Self-esteem, confidence, and relationships in men treated with sildenafil citrate for erectile dysfunction. J Gen Intern Med 2006
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • Salonia A et al. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. European Association of Urology 2024
    uroweb.org
  • Melnik T, Soares BG, Nasello AG. Psychosocial interventions for erectile dysfunction. Cochrane Database Syst Rev 2007
    cochrane.org
  • Bundesärztekammer. Hinweise und Erläuterungen zu § 7 Abs. 4 MBO-Ä, Fernbehandlung. Stand 2019
    bundesaerztekammer.de
  • Illegal in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet: Sildenafil und Tadalafil. Verbraucherzentrale, Stand 2026
    verbraucherzentrale.de
Erik Dinkel, Autor bei impotenz-selbsthilfe.com

Geschrieben von

Erik Dinkel

Erik beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Potenzmitteln, Online-Rezepten und allem, was Männer im Bett ausbremst. Er ist kein Arzt, sondern Fachautor für Männergesundheit. Für jeden Artikel liest er Studien, ärztliche Leitlinien und Patienteninformationen von Kliniken und schreibt das Ganze so auf, wie man es einem guten Kumpel erklären würde.

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  • Aktualisiert8. November 2026
  • GrundlageStudien & Leitlinien
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